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Stromlaufpläne

Als Einführung ein paar Hinweise zum Lesen von Stromlaufplänen.

Der Begriff Stromlaufplan kommt aus der Elektrotechnik. Den Begriff Schaltplan verwendet man eher später im Zusammenhang mit Elektronik, aber noch nicht beim einfach aufgebauten T2.

Kabelfarben... DIN 72551

Die Farben der Kabel sind nicht willkürlich. Die Farben kennzeichnen den Verwendungszweck nach DIN 72551.

In den farbigen Stromlaufplänen entsprechen die Kabelfarben den tatsächlichen Farben der verbauten Kabel. Es gibt einfarbige und mehrfarbig gestreifte Kabel.

Braun steht für Masse bzw. den Minus-Pol der Batterie, der auch an der gesamten Karosserie und an viele Anbauteilen anliegt. Es ist also oft nur ein Kabel zu einem elektrischen Verbraucher notwendig, denn der Stromkreis wird oft über die Karosse oder ein kurzes Kabel zur Karosse dann geschlossen.

Rot steht für den Plus-Pol der Batterie - daher Vorsicht mit Kurzschlüssen zur Karosserie und damit zum Minus-Pol. Nicht alle roten Kabel führen bei abgestellten Motor bzw. ausgeschalteter Zündung Strom - sie sind teilweise durch das Zündschloss getrennt.

Alle anderen Farben und Farbkombinationen haben auch eine feste Zuordnungen.

Kabel in passenden Farben bzw. Farbkombinationen gibt es im Fachhandel (siehe unten).

Klemme "15", Klemme "30", ... DIN 72552

Der durch das Zündschloss geführte abschaltbare Stromanschluss wird auch oft als "Klemme 15" bezeichnet. In den Stromlaufplänen an einigen Kabelenden ist sie als kleine Zahl "15" wiederzufinden. Dauerplus - also Strom auch bei ausgeschaltete Zündung findet sich überall an "Klemme 30" bzw. an Kabelenden im Stromlaufplan, wo eine kleine "30" zu finden ist. Die Masse (also Dauerminus, z.B. auch die Karosserie) ist mit "Klemme 31" gekennzeichnet.

Diese Nummern und Bezeichnungen richten sich nach DIN 72552. Wer derartige Nummern sucht, wird mit "DIN 72552" oder "Klemmenbezeichnung" im Internet schnell fündig.

Einige Bauteile und Schalter zeigen an den Anschlüssen oder in einem Aufdruck ebenfalls diese Nummern. Aber da z.B. manches Relais auch zweckentfremdet eingesetzt wird, bitte nicht einfach blind nach Klemmenzugehörigkeit verkabeln.

Diagnosestecker T20

VW hatte Anfang der 70er die Idee mit einem zentralen Diagnosestecker im Motorraum diverse Messdaten abgreifen zu können. Computer kamen gerade in Mode und die zugehörigen Messsysteme in Schrankwandgröße sahen beeindruckend aus. Letztendlich aber überdimensioniert und unpraktisch. Daher gab es den Diagnosestecker samt Verkabelung nur in von August 1971 bis Juli 1977. In den Stromlaufplänen dieser Zeit an den orangen (Mess-)Punkten zu erkennen. Heute hat der Diagnosestecker und alle Kabel dahin keine Funktion und kann entfallen.

Kabelquerschnitte

In den Stromlaufplänen stehen mit kleinen Zahlen auch immer die Kabelquerschnitte (z.B. "1,5" für 1,5qmm Kabelquerschnitte). Diese Unterschiede können auch bei der Suche helfen. Vor allem dienen sie aber dem Kabelaustausch. Manche Verbraucher benötigen mehr Strom und daher dickere Kabel.

Aufbau

In Plänen bis 1972 ist der Kabelbaum mehr oder minder in der Aufsicht auf das Fahrzeug dargestellt. Die korrekte Position im Fahrzeug ist aber auch hier nicht dargestellt, sondern zu Gunsten der Lesbarkeit der Symbole und Kabel anders verteilt.

In Stromlaufplänen ab 1972 ist diese Darstellung wegen zunehmender Komplexität und Überkreuzungen von dargestellten Leitungen aufgegeben worden - ab 1972 wird eine Darstellung verwendet, die eher Funktionseinheiten gruppiert und die unten immer als Balken die Masse (Karosserie-Verbindung) darstellt. Hier ist die Position im Fahrzeug kaum noch zu erahnen.

Im Folgenden noch zwei VW Dokumente als Hilfe zum Lesen von Stromlaufplänen:


Stromlaufpläne Europa

Hier meine Sammlung von Stromlaufplänen zum deutschen/europäischen Volkswagen Transporter T2:


Stromlaufpläne USA

In den USA galten andere Beleuchtungsvorschriften. Sie unterscheiden sich im Wesentlichen in Standlicht, hinteren Blinkleuchten und Seitenbeleuchtung. Hier Stromlaufpläne zu USA Volkswagen Transporter T2:


Stromlaufpläne Zusatzausrüstung

Stromlaufpläne von Zusatzausrüstung:


Tipps

Die Autoelektrik eines T2s ist nicht besonders schwierig - da gibt es keine HighTech, keine Steuerelektronik, keine Chips... da reichen auch einfachste Mittel den Kupferwurm zu verstehen und zu bändigen...

Wie oben bereits beschrieben, können ihnen die Stromlaufpläne helfen. Sie beschreiben aber nicht die genau Position von Bauteilen, nicht wie Bauteile im Detail aussehen und auch nicht die Verlegung von Kabeln durch das Fahrzeug. Es ist daher vorteilhaft beim Ausbau trotzdem an Kabel kleine Wimpel mit Beschreibungen zu kleben, sich Notizen und/oder Photos zu machen.

Manch einer möchte seinen Kabeln etwas gutes tun und fängt an Kabelenden zu verlöten - bitte lieber nicht - dies ist völliger Unsinn! Bei etwas zuviel Lötzinn im Kabel wird das Kabel hinter den Kabelschuh zu hart und es besteht unnötig Bruchgefahr. Lötzinn ist völlig unnötig im Kabelbaum des T2s!

Kabelverbindungen im Auto werden auch nicht mit den geschraubten Lüsterklemmen aus der Haushaltselektrik gemacht - falls Vorgänger, wie auch bei unserem T2, so etwas gemacht haben: raus damit. Eine Lüsterklemme ist gedacht für einen einzigen massiven Kupferdraht, nicht für ein Kabelgeflecht wie in der Autoelektrik üblich, das sich im wackelnden Fahrzeug irgendwann verschieben und damit lösen kann.

Kabelschuhe

Korrekt und original sind unisolierte Messing-Kabelschuhe (alias Flachsteckhülsen oder Flachsteckverbindungen), die an die Kabel gequetscht werden mit einer guten Crimpzange (ich benutze auch gern für Feinarbeiten eine vorne fast spitze Telefonzange - und kann damit notfalls z.B. auf Reisen auch Kabelschuhe anquetschen - ist aber mühsamer als mit einer großen, guten Crimpzange).

Die meisten Kabelschuhe haben eine Breite von 6,3mm. Es gibt sie zur Aufnahme unterschiedlicher Kabelquerschnitte. Ausserdem haben Kabelschuhe mit isolierten Gehäuse herum meist eine kleine ausgestanzte Nase in der Mitte zur Arretierung. Neben der 6.3mm Größe gibt es noch ein paar kleinere 2,8mm breite Kabelschuhe z.B. für die Instumentenbeleuchtung. Im Bereich der Stromversorgung von Batterie und Generator finden sich auch noch große 8mm breite Kabelschuhe. Desweiteren finden sich noch ein paar Ringkabelschuhe - z.B. an der Hardyscheibe unten an Lenksäule für die Hupe oder zur Erdung der Lüfter vorne an den Luftkanälen.

In Baumärkten und einfachen Autozubehör gibt es heute meist nur billig verzinkte Kabelschuhe mit billigen Plastik am Ende für einfache Crimpzangen - technisch ok, aber eben nicht schön und nicht original.

Manche Messing-Kabelschuhe werden nach 30 Jahren leider brüchig und stecken nicht mehr fest an ihrem Gegenstück. Da ist nix zu retten, da heisst es schlichtweg Kabel abschneiden am Kabelschuh, abisolieren und neuen Kabelschuh anbringen.

Kabel

Mancher Kabelbaum hat über die Jahre auch gelitten. Mancher wurde notdüftig geflickt, mancher wild ergänzt. Manchmal hilft dann nur einen neuen kaufen (sofern verfügbar und bezahlbar) oder selber erstellen anhand des alten und/oder der Stromlaufpläne.

Um manche Kabel ist noch ein schwarzer PVC-Schlauch als Schutz. Der Hauptkabelbaum unter dem T2 geht teilweise durch ein Metallrohr - das bei uns fast weggerostet war und durch ein beständigeres Aluminium Rohr in passendem Durchmesser und Länge ersetzt wurde.


Händler für historische Autoelektrik

Passende mehrfarbige Kabel, PVC-Schläuche als Kabelschutz, die schönen Messing-Kabelschuhe, transparente Steckverbindung und vieles anderes bekommt man z.B. bei:


Notizen

Wie oben bereits beschrieben, ist es wichtig sich bei der Demontage eigene Notizen zu machen und Kabel zu markieren. Nicht alles ist in den Stromlaufplänen und der Literatur dokumentiert. So z.B. Anschlussbelegungen von Schaltern - auch wenn teilweise die Anschlussnummern helfen.

Daher hier unsere Notizen. Bitte aber alles ohne Gewähr - diese Notizen haben wir für uns gemacht - können Fehler enthalten oder nur bei uns passen:

Bilder von unserer Elektrik unseres 1979er T2s finden sich unter "Baduras Bulli", "Restauration", "Bildersammlung" und hier:

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Unter der Instrumententafel - Kabel markiert und photographisch festgehalten zur einfacheren, späteren Zuordnung... wo entlang war welches Kabel verlegt...

Revision: 2018/11/16 - 10:56 - © Rolf-Stephan Badura