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Restauration

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Im August 2008 wurde unser im Mai 2008 gekaufter Bus demontiert, entlackt und restauriert. Im August 2010 konnten wir die wesentlichen Arbeit der Resto abschließen und der Bulli kam mit frischem H-Kennzeichen wieder auf die Straße.

Mehr dazu in unserer Bildersammlung zur Dokumentation der Restauration. Diese Bilder dienen aber eher dem Selbstzweck, um das XXL-Puzzle auch wieder zusammenzubekommen. Viele Details, die man in Büchern findet, sind nicht extra festgehalten. Auch nicht alle Schritte beim Wiederaufbau oder geputzte und aufgearbeitete Einzelteile.

Neben der reinen Restaurierung wurden auch einige Veränderungen verbaut. So wurde aus dem 9-Sitzer-L-Bus ein Camper mit Westfalia-"Berlin"-Ausstattung und statt Schiebedach hat er nun ein Westfalia-Hubdach.

Desweiteren sind verbaut CB-Funk, Zentralverriegelung samt Schiebetür, Stossdämpfer mit Niveauregulierung hinten (per Luftdruck anhebbares Heck), Chrom-Nebelscheinwerfer und -schlußleuchte (hatte unser Bulli auch bei Auslieferung, aber nicht mehr beim Kauf), ....

Einige Extras sind derzeit noch nicht verbaut und sind Projekte für den Winter: z.B. original VW-USA Klimaanlage im neuwertigen Zustand. Auf der Suche nach einem guten Dachgepäckträger für das hintere Drittel mit Holzlattung sind wir auch noch.


Notizen

Hier auch ein paar unserer Notizen, die man so nicht im Büchern findet. So z.B. Anschlussbelegungen von Schaltern oder Ausmaße von Aufbauten. Bitte aber alles ohne Gewähr - diese Notizen haben wir für uns gemacht - können Fehler enthalten oder nur bei uns passen.


Ablauf

Ich wusste vorweg schon was mich ungefähr erwartet durch die 2 Jahre Restaurationsarbeiten an meinem VW Karmann-Ghia. Aber der Bulli hat mich noch ein wenig mehr Kraft gekostet - vielleicht auch weil mich in einem Jahr der Arbeiten ein unverschuldeter Unfall am Karmann viel Zeit und Nerven gekostet hat und der Winter 2009/2010 lang und heftig zugeschlagen hatte.

Zunächst wurde ab August 2008 der Bulli demontiert. Die Inneneinrichtung, Fenster, Scheinwerfer waren schnell ausgebaut. Die Windschutzscheibe ist uns dabei leider schneller als erwartet schon bei leichtem Druck von innen geplatzt, obwohl wir die Scheibendichtung außen vorsorglich abgeschnitten hatten, war sie zu fest mit der Dichtung über die Jahre fest gebacken.

Der blaue Lack außen war nur einfache 1K Lack und war nur recht einfach aufgerollt. Die raue Oberfläche mit Einschlüssen von Pinselhaaren und Staub war ungeeignet für eine gute, neue Lackierung. Also musste der Lack mühsam mit Heißluft und Spachtel entfernt werden. Auf den Bildern sieht man eine graue Lackierung und nicht das blanke Metall. Diese billige Schutzlackierung mit 1K Rostschutz aus der Sprühdose diente zum Schutz vor Feuchtigkeit und Regen und damit vor Rost, da die Arbeiten einige Wochenenden bei Herbstwetter erforderten.

Im Januar 2009 konnte dank Mithilfe des Berliner T2 Bulli-Stammtisches der Motor ausgebaut werden.

Ende des Frühjahres 2009 war der Bulli zum Schweißen und Lackieren fertig demontiert und konnte von der "Oldie-Werkstatt" in Seeburg (am westlichen Stadtrand von Berlin) abgeholt werden. Als Karosseriearbeiten waren nötig: Austausch der Frontmaske samt Scheibenrahmen, Austausch des Laderaumbodens, Austausch der Endspitzen, Teilersetzung des hinteren rechten Radlaufs, Teilersetzung der Kniestücke vorne.

Während der Karosseriearbeiten konnten wir uns dem Motor und den Einzelteilen widmen. Alle Motoranbauteile wurde demontiert, der Motorrumpf aber nicht zerlegt, da es sich um einen bei der Abholung noch gut laufenden original VW-Austauschmotor mit wenig km handelte. Alle Blechteile wurden in Eigenarbeit gesandstrahlt und neu lackiert. Einige Dichtungen, Verbrauchsteile und Anbauteile wie Stößelschutzrohre, Wärmetauscher und Auspuff wurden durch Neuware ersetzt. Wärmetauscher und Auspuff haben wir mit temperaturbeständiger, mattschwarzer Farbe lackiert. Das Getriebe wurde gereinigt und Anlasser und Magnetschalter wie original glänzend schwarz lackiert, das Getriebe selbst Silberfarben.

Im Oktober 2009 kam dann die frisch lackierte Karosse zurück. Was bis dahin aber noch nicht angefasst wurde, war der Unterboden abseits des ausgetauschten Laderaumbodens. Hier befand sich noch wie an den gesamten Unterbodenteilen eine ca. 3-5mm diche Schicht aus Unterbodenschutzwachs, Öl, Schmutz und Flugrost, die nur sehr mühsam mit viel Waschbenzin und Handarbeit zu entfernen war, bis auch unten herum frisch lackiert werden konnte. Der Lackaufbau unten erfolgte einfach nur mit Pinsel. Zunächst ein guter Rostschutzlack und dann 2K Decklack wie oben. Fahrwerksteile wurden schwarz lackiert.

Während diese Arbeiten "untertage" wurden zum Entspannung aber auch obenherum langsam der Bulli wieder montiert. Im Frühjahr 2010 konnte dank Mithilfe des T2 Bulli-Stammtisches auch wieder der Motor ins Fahrzeug gehoben werden.

Die ersten Sommermonate 2010 waren aber noch viel Unterflurarbeiten notwendig - z.B. Austausch von Verbrauchsfahrwerksteilen und aller Bremsteile gegen Neuteile.

August 2010 war als Endspurt dann mit Elektrik und Innenausbau belegt. Einiges lief aber auch nicht so auf Anhieb in der Hektik. Zum Glück hatten wir uns fachkundigen Beistand mit "Frankys Käferwerkstatt" in Berlin-Blankenburg reserviert, der dankenswerterweise die letzten Handgriffe durchführt, den Motor sauber einstellte und unseren Bulli durch TÜV und H-Kennzeichen-Abnahme begleitete.

Danach standen aber vor dem ersten Urlaub mit Bulli noch einige Restarbeiten im Innenraum an (z.B. Kücheneinbau) und Feintuning an so manchem Teil.

Zum Frühjahr 2011 soll auch eine NOS (New-Old-Stock = original und neuwertig aus dem Karton) VW-USA Klimaanlage verbaut werden und weitere Extras. Es gibt viel zu tun, packen wir es an...

Hier noch ein paar Bilder zum Verlauf der Resto:

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Vergleich vorher versus nachher

Und hier vorher-nachher-Bilder - vorher rostige und schmierige Villa Kunterbunt, nacher wie neu bzw. frisch konserviert für die nächsten Jahre:

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Statistiken

Hier noch ein paar statistische Werte zur Restauration.

Arbeitszeit

Soweit es möglich war, wurde jeden Samstag in den 2 Jahren am Bulli gearbeitet - bei Wind und Wetter - egal ob -15 oder +35 Grad. Oft aber auch Sonntags oder nach Feierabend. Manchmal auch an Urlaubstagen. Manchmal "nur" 8 Stunden - manchmal bis tief in die Nacht bzw. zum Morgengrauen. Genau Buch geführt habe ich darüber nicht. Es müssen aber so um die mindestens 2*60 Tage gewesen sein - gerechnet mit durchschnittlich 10 Stunden sind dies bereits 1200 Stunden - es werden aber eher mehr gewesen sein...

Hinzu kommen noch Zeit für Literatur-Recherchen (Schaltpläne, Reparaturleitfäden, etc.), Teilesuche, Fahrten und Abholung für den Teileeinkauf, Fahrten zu Treffen und Bulli-Besitzern um den Aufbau zu studieren uvm. Dafür sind locker abzüglich Spaß-Zeiten nochmals ca. 300 Stunden zu veranschlagen.

Insgesamt kommen wir damit auf mindestens 1500 Stunden Eigenleistung bis zur ersten Fahrt und weiteren danach für Zubehör und Verbesserungen. Diese Stunden verrechnet man meist lieber nicht monetär...

Finanzen

Wie viel Geld das Projekt gekostet hat, wissen wir fast bis auf den Cent, werden wir aber hier nicht verraten - es sind aber einige große Scheinchen...

Neben Anschaffungswert, Fremdauftragskosten (z.B. für Schweißarbeiten und Lackierung), schlagen viel Ersatzteile, aber auch so etwas wie Garagenmieten über 2 Jahre unerbittlich mit 6% zu.

Wichtig bei so einem Projekt ist, dass man sich nicht übernimmt und trotzdem zu jeder Zeit genug Material zur Restaurierung bereit hat. Eine gute Planung bewahrt einen spätestens im Endspurt vor Überraschungen.

Verbrauchsmaterial

Wir haben Unmengen an Haushaltstüchern zu Reinigung verbraucht - knapp 100 Rollen sind die 2 Jahre verbraucht worden.

Zur Entrostung habe ich auch ca. 16 Drahtbürsten für die Bohrmaschine genutzt - der Elektromotor der Bohrmaschine hat in der Zeit 3 Sätze Kohlebürsten verbraucht.

8kg Sandstrahlgut für Rost an Motorverblechung und kleinen Blechteilen wurden verbraucht.

40L Waschbenzin wurden verbraucht zum Reinigung von Motor, Getriebe, Fahrwerk, Kleinteilen und Unterboden.

3L Aceton zur Entfernung von Kleberesten z.B. an Türgummis, Himmeldämmstoffen, Seitenverkleidungen wurden benötigt.

Zur Reinigung von Händen - und manchmal auch Körper und Gesicht - wurden 3 Liter Handwaschpaste verbraucht.

2 Hosen, 3 Pullover, 5 T-Shirts, 3 Paar Socken, 2 alte Winterjacken, 2 Paar alte Schuhe, eine Strickmütze und 9 Paar Handschuhe mussten entsorgt werden.

Kurioses

Wie oben geschrieben habe ich ca. 2x 60 Tagen am Bulli gearbeitet. Dafür konnte und wurde natürlich nicht der Motor immer angelassen - der Bulli wurde aus der engen Garage aber meist nach draußen geschoben und am Ende des Tages wieder hinein - zur leichten Erschwerung noch über ein kleine Schwelle von ca. 5cm Höhe. Wegstrecke ca Bullilänge + 1m = 5.5m und dies ca. 2x (Jahre) 50x (Tage) 2* (rein&raus) 5.5m = 1.1km Bulli-weit-schieben - und ca. 2x (Jahre) 50x (Tage) 5cm (Schwellenhöhe) = 5 Meter Bulli-hoch-schieben.

Die Reinigung nach so einem Tag unterm Bulli konnte bis zu einer Stunde dauern - ca. 5 Minuten mit Handwaschpaste den groben Dreck von Händen und Armen waschen - dann 5 Minuten das Gesicht wieder frei schrubben, Farbe und Dreck aus den Haaren zotteln oder in schlimmen Fällen herausschneiden, Farbreste so weit möglich aus Gesicht und von Händen entfernen, Duschen... Durchschnittlich waren aber 15min nötig. So ergeben sich ca. 2x (Jahre) 50x (Tage) 15min = 25h ~ 1 Tag im Badezimmer - und trotzdem war es kein Wellness-Urlaub.


Revision: 2018/11/16 - 10:39 - © Rolf-Stephan Badura